Fleisch auf 6 Beinen

Bild insekten essen _43409Heuschrecke, Mehlwurm und Grille sind die Steaks der Zukunft.
Geht es nach der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), sollen wir künftig Insekten und Larven essen. Denn die sind gesund, proteinreich und werden frei von Antibiotika und Wachstumshormonen produziert. Weltweit essen bereits 2 Milliarden Menschen Insekten und Larven, nicht nur aus Not, sondern sie gelten oft als Delikatesse. Hornissenlarven sind beispielsweise in Laos so teuer, dass man sie nur zu speziellen Anlässen serviert. Man muss also kein Dschungelcamp-C-Promi sein, um sich Krabbeltiere in den Mund zu stecken. Insektenfood ist das Fleisch der Zukunft.

Wir essen die Welt leer
Weg vom übermässigen Fleischkonsum ist ein Must. Laut Weltagrarbericht der FAO werden über 70 Prozent der Agrarflächen für die Futtermittelproduktion  (Soja, Mais, Getreide, etc.) verbraucht. Denn es braucht Unmengen an Futter für die 50 Milliarden Tiere, die jährlich zu Fleisch verarbeitet werden. Gleichzeitig sterben jedes Jahr 3,1 Millionen Kinder an Unterernährung. Damit muss Schluss sein, denn wir essen unseren Planeten leer. Dabei ist der übermässige Fleischkonsum ungesund. Wer gerne verarbeitetes Fleisch (z.B. Würste) oder rotes Fleisch isst, bei dem erhöht sich das Risiko für eine  Darmkrebserkrankung um satte 18 Prozent. Das schreibt zumindest die WHO in ihrem Bericht 2015.

SchweinemastResistente Superkeime im Fleisch
Schon lange setzt die Industrie auf Massentierhaltung. Millionen von Tieren werden auf engstem Raum mit Kraftfutter und Antibiotika zur Krankheitsbekämpfung und Wachstumsbeschleunigung gemästet. Inzwischen fordern sogar Humanmediziner eine artgerechte Tierhaltung, denn durch den exzessiven Einsatz der Medikamente überleben nur die vitalsten bakteriellen Keime und bilden Antibiotika-Resistenzen. Diese „Superkeime“ werden durch Fleisch, Milch und Eier auf den Menschen übertragen. Eine Studie des Tumorzentrums Aachen besagt, dass über 6 Millionen Deutsche bereits antibiotikaresistente Keime in sich tragen. Eine tödliche Gefahr, die jährlich tausenden von Menschen das Leben kostet.

Maikäfer_1Maikäfersuppe wie in alten Zeiten
Eine Herausforderung wird sein, den Europäern den Ekel vor den Krabbeltieren zu nehmen. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass in Deutschland, Frankreich und der Schweiz Maikäfersuppe auf den Tisch kam. Noch in den 40er Jahren stand die Suppe auf dem Speiseplan und Rezepte dazu in Kochbüchern. Inzwischen finden sich immer häufiger Rezepte  für nahrhaften Maikäfersuppen im Internet – Tendenz steigend.

Insektenfood in der Migros kaufen?
Diesen Herbst wird die Schweizer Lebensmittelverordnung revidiert. Im aktuellen Entwurf sollen Grillen, Mehlwürmer und Heuschrecken neu für den Verzehr zugelassen werden. Vielleicht kann man künftig Heuschrecken-Pasta im Restaurant bestellen oder in der Migros Mehlwurm-Apérohäppchen kaufen. Bevor es aber so weit ist, müssen die Insektenfreaks ihre Tierchen privat kochen, sonst hagelt es Bussen.

Essbare Insekten züchten
Junge und innovative Firmen rüsten sich für die Zukunft und bieten jetzt schon Insektenburger und -ravioli an – im privaten Rahmen. Auch die ZHAW Wädenswil hat die Zeichen der Zeit erkannt und organisiert mit Daniel Ambühl von skyfood.ch  Workshops für die eigene Insektenzüchtung .